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Illustration: Eine junge Frau sitzt vor einm geöffneten Aktenordner mit Fotos und Texten, hinter ihr steht ein Regal mit vielen weiteren Ordnern

Was wir schon alles gemacht haben!

12. Juni 2009

Erste mittelpunkt-Lesung „Ich bin ganz Ohr…“

Es war ein bewegendes Ereignis: Die erste mittelpunkt-Gemeinschafts-Lesung. Im Zusammenwirken mit dem Orchester am Parzivalhof unter Lynn Blumenthal gestaltete das Projekt mittelpunkt-Schreibwerkstatt die Abendveranstaltung der großen Jahresversammlung des Verbandes und der BundesElternVereinigung am 12. Juni in Mannheim. Am Abend vor der Aufführung hatten wir unsere „Generalprobe“: Sollte im Stehen oder im Sitzen gelesen werden? Im Sitzen mit oder ohne Tisch. Den Lesetisch mit oder ohne Blumen arrangieren? Dann das Wichtigste: Jeder konnte ausführlich den Lese-Stuhl und das Mikro ausprobieren. Überhaupt: Wie fühlt es sich an, vor einem Saal mit 300 Plätzen zu sitzen, der zur Generalprobe mit einigen interessierten Probegästen besetzt war, aber am nächsten Abend mit gespanntem Publikum erfüllt sein würde. Und nicht zuletzt: Die Stufen zur Bühne hinauf- und hinuntersteigen – nicht gerade ein Leichtes bei Geh- oder Seh-Einschränkungen! Wir hatten uns also in der ersten Reihe platziert, so wie der Lese-Ablauf sein würde. Sich selbst mit ein paar Worten vorstellen: Wer bin ich? Was will ich von mir sagen? Was ist wichtig für mich in meinem Leben? Und dann den eigenen Text lesen! Die Texte waren direkt zum Thema der Tagung entstanden: Die UN-Behindertenrechtskonvention, zur Frage der Inklusion – und zur Frage „Leben mit einer Behinderung? Welche Erfahrungen habe ich gemacht?“. 

Den Anfang der Lesung machte Margitta Krug vom Münzinghof mit ihrem Text „Marinas Erfahrungen mit Arbeit“: „Marina hat zweieinhalb Jahre in der Bäckerei gearbeitet, sie war damals 18 Jahre alt.“ Sie beschrieb in ihrer Geschichte mit vielen Beispielen ihre Zeit in einer Groß-Bäckerei als Lehrling zur Bäckerei-Hilfskraft.

„Ich wurde früher oft in der Schule geärgert wegen meiner Sehschwäche und meinem Lispeln“, so begann der berührende Text von Karuna Wich „Meine Erlebnisse mit Behinderung“. Sie lebt ebenfalls auf dem Münzinghof. 

Dirk Tuente berichtete in seinem Text von beglückenden Begegnungs-Erfahrungen mit Besuchern der Lebensgemeinschaft Richthof unter dem Titel: „Wie sehen und finden mich andere Menschen!“

Katharina Brill ging in ihren anschaulichen Erlebnisschilderungen der Frage nach „Wie gehe ich mit meiner Behinderung um? Im Mittelpunkt stand dabei ein abenteuerliches Kletterwochenende in einer gemischten Gruppe.

Dann las Uwe Dreckmann aus der Dorfgemeinschaft Tennental ausdrucksstark aus seinen Tagebuch-Eintragungen zum 4 Europäischen Kongress „In der Begegnung leben“ in Den Haag 2008.

Ebenfalls einen Tagebuch-Text las Svea Hackert, die in den Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler lebt. Sie schilderte ihre „Kunst- und Studienreise nach Chartres mit Christoph Rogez“. Dabei wurde den Zuhörern sogar der wiegende Pilgerschritt, mit dem die Reisegruppe durch das Chartres-Labyrinth lief, vorgeführt. 

Den Abschluss der Lesung machte Tobias Klaiber aus der Dorfgemeinschaft Tennental mit seiner Geschichte „Der fliegende Hut“, wo er in wunderbar erzählenden Bildern eine Begegnung mit der Weisheit schilderte. Seine Begeisterung für die mittelpunkt-Lesung und das Orchester brachte das Publikum in stehenden Ovationen zum Ausdruck!